Universitäre Service-Einrichtung für Transmissionselektronenmikroskopie
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2017-06-16 [

Florian Aigner

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Thomas Schachinger mit einer ÖAW-Förderung und dem Theodor-Körner-Preis für seine Arbeiten am USTEM doppelt ausgezeichnet

DI Thomas Schachinger bei der Stipendiumsübergabe durch Prof. Dr. Georg Brasseur (Präsident der math.-nat. Klasse)

Das Feld eines großen Permanentmagneten aus Eisen lässt sich leicht erkennen – dafür muss man nur eine Büroklammer sanft zwischen zwei Fingern halten. Doch wie untersucht man die magnetischen Eigenschaften von Materialien auf einer Skala von Nanometern?


Eine Methode der TU Wien eröffnet ganz neue Möglichkeiten in diesem Bereich. Thomas Schachinger von der Service-Einrichtung für Transmissions-Elektronenmikroskopie (USTEM) wurde für diese Arbeit nun doppelt ausgezeichnet: Sein Projekt wird in den nächsten zwei Jahren von einem hochdotierten Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gefördert, außerdem erhält Schachinger den Theodor-Körner-Preis.


Der Elektronenstrahl als Wirbelsturm
Bereits vor einigen Jahren entwickelte Prof. Peter Schattschneider gemeinsam mit seinem Kollegen Johan Verbeeck aus Antwerpen eine aufsehenerregende neue Idee: Elektronenstrahlen können so durch speziell geformte Blenden geschickt werden, dass sie in Drehung um die eigene Achse versetzt werden – ähnlich wie ein Tornado. Auf diese Weise kann man in einem Elektronenmikroskop mit Hilfe des Elektronenstrahls einen Drehimpuls auf einen ganz bestimmten Punkt einer Probe übertragen.


„Wichtig ist das vor allem für die Untersuchung magnetischer Materialien – denn Magnetismus ist eng verbunden mit dem Drehimpuls des Materials auf atomarer Skala“, erklärt Thomas Schachinger. Er möchte diese Elektronenstrahl-Methode nun in gewissem Sinn umkehren: Ein gewöhnlicher Elektronenstrahl ohne Eigendrehung soll extrem fokussiert auf einen winzigen Bereich einer Probe geschossen werden – auf Eisen, Kobalt oder Nickel. Durch die magnetischen Eigenschaften dieser Materialien kann der Elektronenstrahl in Drehung versetzt werden. „Und genau die speziellen Blenden, mit denen wir bisher den tornadoartigen Elektronenstrahl erzeugt haben, kann man dann auch einsetzen, um nachzuweisen, dass der Elektronenstrahl durch eine Wechselwirkung mit der Probe in Drehung versetzt worden ist“, sagt Schachinger. „Damit können wir Rückschlüsse auf die magnetischen Eigenschaften der Probe ziehen, und zwar mit einer Auflösung im Nanometer-Bereich.“


Doppelte Auszeichnung
Wichtige Vorarbeiten sind bereits geleistet, in den nächsten zwei Jahren möchte Thomas Schachinger sein Forschungsprojekt abschließen. Während dieser Zeit wird seine Arbeit durch ein Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) finanziert. Am 9. Juni wurde ihm diese Auszeichnung von der ÖAW feierlich übergeben. Gleich wenige Tage später durfte er sich über eine weitere Würdigung freuen: Am 14. Juni wurde ihm einer der Förderpreise der Theodor-Körner-Stiftung übergeben, dotiert mit 4000 Euro.